Hier noch einmal ein Gedanke ganz allgemein zum Thema Persistenz und der Frage, wie ein endurierender Kern in der Zeit wirken kann.
Wenn ich mir die Sache thomistisch angucke, stelle ich folgendes fest: Das Bild von der Substanz als einem statischen Wirklichkeitsklötzchen ist vielleicht etwas einfach. Wenn man einen analogen Seinsbegriff hat, kann man „innerhalb“ des substanziellen Kerns nochmal differenzieren zwischen Seinsmodalitäten: Akt und Potenz. Man kommt dann zu den Koprinzipien von Form (als Akt) und Materie (als Potenz). Beide sind keine „fertigen Dinge“ (entia quae), sondern nur etwas, „wodurch das, was ist, existiert“ (entia quibus). So ein ens quo existiert also nie für sich alleine, sondern nur zusammen mit seinem Korrelat, und beide konsituieren eine Substanz (d.h. zwischen ihnen besteht eine Realdistinktion: Sie sind unterscheidbar, aber nicht trennbar). Jetzt muss zusätzlich noch zwischen der Substanz und ihrer Existenz unterschieden werden. Die Substanz ist identisch mit ihrer Existenz nur in Gott. Bei uns ist es verschieden. Das Wirken einer Substanz setzt ihre Existenz voraus. Da Existenz und Substanz verschieden sind, also auch Substanz und ihr Wirken: D.h. es folgt direkt, dass die Substanz nie unmittelbar wirkt – unmittelbar wirken tut sowieso nur die göttliche Substanz, in der Dasein und Wirken schlichtweg identisch sind, die endliche Substanz wirkt grundsätzlich nur vermittelt durch Potenzen (welche Akzidentien sind – d.h. sie kann mal wirken, mal nicht: Sie ist nicht kraft ihres Daseins immer „in actu“ tätig, das ist nur Gott. Es folgt aus ihrer Endlichkeit schon, dass ihr Wirken zeitlich ist).
Jetzt hängen diese Aktivpotenzen (als Akzidentien) nicht an der Substanz wie Klamotten an einem Körper, sondern sie inhärieren ihr: Eine Änderung der Akzidentien lässt die Substanz nicht unberührt. Nun kann eine Substanz ihre Form – ihre Washeit, quidditas – nicht ändern. Sie bleibt immer, WAS sie ist. Aber sie kann mehr oder weniger werden, WAS sie ist: Sie kann ihre Vollform anstreben. D.h. sie ist teleologisch zu verstehen. Eine endliche Substanz hat ihre Vollform noch nicht erreicht, weshalb sie sich qua Substanz verändern muss, in dem Sinne, dass sie das, was sie bereits ist, „mehr“ wird. Es handelt sich um eine Art intensive (qualitative), nicht extensive (quantitativ-raumzeitliche) Änderung.
Was haltet ihr davon?

Ruben