Marcs dritter Gastbeitrag:

In § 71 heißt es, keine Seele hätte eine Masse oder ein Materiepartikel, die ihr für immer gehören würden, weil alle Körper in ständigem Fluß sind. Man kann also sagen: es gibt keine feste Zuordnung Monade <-> bestimmter Körper; aber immer eine Zuordnung Monade <-> unbestimmter Körper.
Im folgenden Paragraphen folgert Leibniz dann, dass es keine Seelenwanderung, d.h. keine sprunghafte Neuzuordnung einer Zentralmonade zu einem völlig neuen Körper, ebenso wie, dass es keine Seelen (Zentralmonaden) ohne Körper gibt.

a)     Damit ist aber aus meiner Sicht das Problem der Seelenwanderung in dieser Form gar nicht erledigt. Man könnte sich ja vorstellen, dass die Zentralmonade nach dem, was wir Tod nennen, einem Leichnam zugehörig ist, dass aber aus der Verwesung dieses Leichnams heraus sich ein neuer Körper für die Zentralmonade bildet, der sagen wir, einen Wurm darstellt. Leibniz hätte also nur ein Problem der Art und Weise, wie man sich gemeinhin eine Seelenwanderung vorstellt (nämlich eines sprunghaften Vorgangs anstelle eines kontiniuierlichen Vorgangs). Dagegen hätte Leibniz mit dem Resultat einer Seelenwanderung kein Problem, dass also eine Zentralmonade einen völlig anderen Körper hat als früher (was ja von Gott auch für sie vorherbestimmt worden sein kann).

b)     Wenn aber jede Monade nur eine von Gott gegebene Bestimmung hat, nämlich nur Vernunftmonade in einem menschlichen Körper zu sein, dann wäre Leibniz Vertreter einer Wiedergeburtstheorie, in der jede Monade aber nur auf eine Art von Wesen begrenzt wäre.

c)     Wenn aber auch das nicht zutrifft und jede Vernunftmonade in dem ganzen Verlauf ihrer Existenz nur ein einziges Mal einen menschlichen Körper besitzt, so frage ich mich, ob das für die damalige geisteswissenschaftlich-theologische Welt nicht eine ungeheure Provokation war, denn das hieße ja, jede Seele wäre auf ewig an den verwesenden Leichnam ihres früheren Körpers gefesselt und würde niemals in eine „Geisterwelt“ aufsteigen (womit ich philosophisch kein Problem hätte, aber dem gemeinen Verstand muss das doch ziemlich makaber vorkommen). Hat es diesbezüglich genauere Auseinandersetzungen gegeben?